Die Suche nach dem roten Buch

Immer wieder kommen Kunden in den Buchladen, die ein bestimmtes Buch suchen. Das hätten sie vor Kurzem bei einer Bekannten oder einem Freund gesehen, und es wurde empfohlen. Wir wüssten doch, das wäre das Buch, das gerade in aller Munde ist. Bei der Frage nach dem Titel oder dem Autor kommt dann nur ein bedauerndes Kopfschütteln. Beides ist nicht bekannt. Ist vielleicht der Verlag bekannt? Ja, das sei so ein Buchverlag, wir wüssten doch, er beginne mit A oder F oder so. Wir versuchen, weiter einzugrenzen. Taschenbuch? Gebundenes Buch? Der Kunde zeigt mit den Händen eine ungefähre Größe, die eher an die Pose eines Anglers erinnert.

Die letzte Möglichkeit, die bleibt, um dem Kunden doch noch das Buch verkaufen zu können, das er so gerne haben möchte, ist nun noch das Genre: Ist es ein Krimi? Ein Frauen- oder Liebesroman? Ein Schulterzucken ist die Antwort, der Versuch, den Buchinhalt zu beschreiben, scheitert eher: Die Geschichte geht um eine Frau und einen Mann, und es ist sehr spannend, hat der Bekannte oder die Freundin gesagt.

Gesucht wird: rot, groß, in aller Munde, spannend

Dieser Ablauf ist uns schon sehr bekannt. Ungefähr einmal pro Woche werden wir vor eine solche detektivische Aufgabe gestellt. Als kleine Buchhandlung mit einer treuen Stammkundschaft können wir meist empfehlen, dass unser Kunde die Person, die das Buch empfohlen hat, doch einmal nach Autor und Titel fragt. Nach ein paar Tagen werden uns diese Informationen geliefert und wir können das gewünschte Buch entweder aus unserem Bestand nehmen oder innerhalb eines Tages liefern.

Übrigens: Das letzte rote Buch, das ein Krimi über Glücksspiel sein sollte, von einem Mann geschrieben, gerade erst erschienen und nicht sehr dick, entpuppte sich als historischer Roman von Rebecca Gablé, bereits vor 22 Jahren erschienen, mit dem Titel Das Lächeln der Fortuna. Es hat 1.200 Seiten. Das Cover ist in gelb-braun gehalten.